Bildung in Zeiten von Corona

Am 29.10.2020 fand ein digitales Treffen der Frauenunion Koblenz unter der Leitung von Zemfira Dlovani in Kooperation mit dem Leiter des Arbeitskreises Bildung der CDU-Koblenz und dem Vertreter einer Elterninitiative, Herbert Utz, statt. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sitzung, darunter betroffene Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen verschiedener Schularten, schilderten ihre Erfahrungen seit Beginn der Corona-Krise aus ihrem Blickwinkel. Klar wurde, dass sich alle Beteiligten eine stärkere Unterstützung und mehr Gehör bei den Verantwortlichen in der Politik wünschen. Viele Hindernisse machen es nach wie vor schwer, die derzeitige Situation zufriedenstellend zu meistern. An vielen Stellen fühlen sich Eltern und PädagogInnen allein gelassen. So wurde deutlich, dass die Krise in Familien, Kitas und Schulen, abgesehen von den sich häufig ändernden Vorschriften, größtenteils ohne Unterstützung der Landesregierung bewältigt werden muss. Erheblicher Personalmangel an ErzieherInnen und PädagogInnen sowie überfüllte Lerngruppen und oft mangelhafte Ausstattung der Bildungseinrichtungen werden bereits seit Jahren von den Betroffenen beklagt und angemahnt. 

Diese Missstände treten derzeit besonders deshalb zu Tage, da Kitas und Schulen ohne Unterstützung der Landesregierung entstehenden Personalbedarf durch Vergrößerung der Gruppen beheben müssen, um die Beaufsichtigung, Betreuung und Unterrichtung der Kinder und Jugendlichen – mit der momentanen zusätzlichen Herausforderung der Auswirkungen der Pandemie in den Bildungseinrichtungen - einigermaßen sicherzustellen. Darüber hinaus rächt sich die seit Jahren verschleppte angemessene digitale Ausstattung der Schulen nun ebenfalls durchschlagend. Besonders der Fernunterricht scheitert an mangelnder technischer Ausstattung der meisten Schulen und SchülerInnen- ersteres eine bisher versäumte Aufgabe des Landes, letzteres eine Aufgabe, die viele Familien ohne Unterstützung nicht bewältigen können. Besonders Kinder aus sozial schwachen oder bildungsfernen Familien könnten die Verlierer dieser Zeit werden. Manchmal liegt es auch an der Berufstätigkeit beider Eltern.

In Bezug auf das Thema Familien wurde ebenfalls erläutert, wie schwierig der Umgang mit Personen mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko im Zusammenhang mit der bestehenden Schulpflicht ist. Junge Menschen kommen aus der Schule und können Familienmitglieder anstecken oder sie bringen Infektionen von zu Hause in die Schule mit. Hier steht die geltende Rechtsprechung derzeit nicht mit den Bedürfnissen und Ängsten der betroffenen Personen im Einklang. Diskutiert wurde auch die Idee, ob die Schulpflicht nicht zu einer Bildungspflicht abgewandelt werden könnte. 

Bereichert wurde die rege Diskussion durch den Vertreter der überregionalen Elterninitiative,  Herbert Utz. Als ehemaliger Selbstständiger in der freien Wirtschaft ist er mittlerweile Lehrer an einer Online-Schule. Er zeigte Chancen auf, die Hybridlernen, auch in Zeiten außerhalb der Pandemie, bietet. Um diese Chancen nutzbar zu machen, müssten jedoch die dafür notwendigen Rahmenbedingungen auf allen Seiten geschaffen werden. 

Die Frauenunion Koblenz und der Arbeitskreis Bildung sehen darin eine der großen bildungspolitischen Zukunftsaufgaben.