Jetzt beginnt der Wettbewerb der Investoren in Koblenz

CDU Ortsverband Altstadt / Innenstadt - Pressebericht Rhein Zeitung Koblenz, 15.01.2014
Koblenz-Altstadt - Bürgerversammlung der CDU Altstadt/Innenstadt

Nach dem Abbruch des Stadtbades sind - abgesehen von Produktionsbetrieben und großflächigem Einzelhandel - die unterschiedlichsten Lösungen denkbar. Bei der Bürgerversammlung der CDU Altstadt/Innenstadt ließ Baudezernent Martin Prümm jedoch durchblicken, dass ihm der Bau von Wohnungen am liebsten wäre.

Aktuell fehlen im Stadtgebiet rund 240 Wohneinheiten - Tendenz steigend. In der Weißer Gasse könnte die bereits klaffende Lücke um 100 Einheiten verringert werden. Nach Vorstellung der Verwaltung soll es keine Luxusausstattungen geben, sondern eine vernünftige Mischung, bei der das generationenübergreifende Wohnen im Mittelpunkt steht.

Ziel ist es, mit dem Projekt die ganze westliche Altstadt attraktiver zu machen. Frank Hastenteufel, Chef des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung, wies darauf hin, dass die durchschnittliche Wohndauer in diesem Bereich gerade mal drei Jahre beträgt. Das soll sich ändern.

Laut Statistikstelle gibt es in dem vom Wöllershof bis zum Moselufer und von der Straße "An der Moselbrücke" bis zur Bahn reichenden Quartier derzeit - also ohne die Neubauprojekte Fischelstraße und Stadtbad - 111 Wohnungen mit 113 Haushalten. Abgesehen von vier Eigentumswohnungen sind alle Objekte vermietet. Die Statistik zeigt aber auch, dass dieser Abschnitt der Altstadt bislang für Familien unattraktiv ist. Es gibt gerade mal fünf Haushalte mit Kindern unter 14 Jahren. Dagegen sind 70 Prozent der 162 Bewohner Singles. Die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen ist mit einem Anteil von 50 Prozent bislang am stärksten vertreten. Der Anteil der Mieter mit Migrationshintergrund liegt bei 32 Prozent.

luftbild-weisser-gasse-895

Das Luftbild zeigt die westliche Altstadt zwischen Wöllershof und Moselufer. Hier gibt es aktuell 111 Wohneinheiten. Foto: Thomas Frey

Aktuell ist das generationenübergreifende Wohnen mit barrierefreien Einheiten der Favorit der Verwaltung. Und auch die Besucher der Versammlung ließen durchblicken, dass ihnen eine solche Lösung am liebsten wäre. Sie äußerten allerdings Sorge um die Verkehrsentwicklung. Schon jetzt fahren täglich 3500 Autos durch die Weißer Gasse. Angesichts der Tatsache, dass täglich rund 16 000 Fahrzeuge über die Balduinbrücke rollen, wird sich diese Zahl nicht verringern, zumal die Straße eine wichtige Anbindung für das Parkhaus ist. Die Verwaltung versprach aber auch, dass die für die neuen Parkdecks geplante Anbindung nur eine Notanbindung ist - die nur im Hochwasserfall geöffnet ist.

Bleibt die Frage nach der Gestaltung. Auch wenn es für das Areal noch keine Rahmenplanung gibt, zeigte die Versammlung, dass der in der Politik geäußerte Wunsch nach einem Hochhaus vom Tisch ist. Derzeit gehen die Planer von hochwertig gestalteten, überwiegend drei- bis viergeschossigen Einheiten aus, wobei allerdings städtebauliche Bezüge zur Alten Burg - etwa durch ein Türmchen - möglich sind.

Auf jeden Fall verpflichtet sich jeder Interessent, eine fotorealistische Visualisierung für die Gestaltung der Moselseite abzugeben. Und: Fügen sich die Vorschläge nicht harmonisch in das Stadtbild ein, behält sich die Stadt vor, für den Bereich einen Bebauungsplan aufzustellen. Doch zunächst heißt es abwarten.

Die Verwaltung will einerseits flexibel sein, andererseits aber signalisieren, dass sie nicht will, dass sich gravierende städtebauliche Fehler der jüngeren Vergangenheit wiederholen. Ein Investor, der das meiste Geld für das Areal bietet, kommt also nicht zwangsläufig zum Zuge. "Das ist keine öffentliche Ausschreibung", betonte Frank Hastenteufel. Das heißt: Den Zuschlag erhält der Investor mit dem ansprechendsten Konzept.

Reinhard Kallenbach, Rhein Zeitung Koblenz und Region vom Mittwoch, 15. Januar 2014, Seite 13

Kommentar von Reinhard Kallenbach

Richtig gute Voraussetzungen

Das hört sich alles richtig gut an. Hoffentlich werden Rat und Verwaltung angesichts der reizvollen Perspektive, durch den Grundstücksverkauf einen Grundstock für einen Stadtbadneubau in Höhe von rund 3 Millionen Euro zu erwirtschaften, nicht schwach. Das Areal ist städtebaulich zu sensibel, um ausschließlich finanziellen Argumenten zu folgen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen an ihren selbst gewählten Grundsatz erinnern, wenn die Stunde der Entscheidung naht. Es bleibt außerdem die Frage, was anspruchsvolle Gestaltung ist. Die Ansichten darüber ändern sich im 20-Jahres-Rhythmus. Das zeigt die Tatsache, dass postmoderne Lösungen wie der recht gelungene Wohnpark an der Alten Burg heute von Architekten belächelt werden.

Langweilige und schlecht ausgeführte Bauhaus-Mutationen, also Albträume aus Beton, Glas und Stahl, haben nach wie vor Hochkonjunktur. Deshalb müssen Bürger wachsam sein und früh Flagge zeigen. Angesichts dieser Notwendigkeit ist es unverständlich, dass die wirklich gute Veranstaltung im Haus Metternich so schlecht besucht war. Einmal mehr zeigte sich, dass gemeckert wird, wenn es zu spät ist. Und dann wird wieder auf die fehlende Transparenz geschimpft – obwohl sie von Anfang an da war.

Apropos Meckern: Diejenigen, die in fragwürdiger Art und Weise massiv gegen das Görlitz-Projekt am Florinsmarkt Front gemacht haben und immer noch machen, können jetzt wirklich etwas für die Jüdische Kultusgemeinde tun – etwa durch die Gründung eines Bauvereins. Schön wäre es, wenn die neue Synagoge mittelfristig realisiert werden könnte. Das würde die mit architektonischen Meisterleistungen nicht gerade gesegnete Innenstadt erheblich aufwerten.

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!