Chance auf Neugestaltung der Clemensstraße

thumb Altstadt-Innenstadt-Clemensstrasse-2014CDU-Ortsverband Altstadt-Innenstadt

Hohe Zuschüsse sind möglich – Stadt erklärt Details bei Bürgerversammlung

Bürger fordern von der Stadt gern Transparenz und die Chance mitzuwirken. Doch wird ihr Wunsch erfüllt, hält sich ihr Andrang in Grenzen. Diese Erfahrung musste auch der CDU-Ortsverband Altstadt-Innenstadt machen, der am Montagabend über die mittelfristig mögliche Neugestaltung der Clemensstraße informierte. Nur wenige nutzten in der Bäckerei Hoefer im Entenpfuhl die Gelegenheit, Stadtvorstand und Planer zu befragen. Dabei gab es erfreuliche Neuigkeiten.

Der Abschnitt der Clemensstraße von der Poststraße bis zur Casinostraße könnte schon 2016 neu gestaltet werden. Denn: Von der Aufstockung der Mittel für die Städtebauförderung könnte auch Koblenz profitieren. Berlin will künftig jährlich 700 Millionen Euro bereitstellen – und einen Schwerpunkt auf die Belebung von Stadtkernen setzen. Das passt wiederum zum Ansatz der Landesregierung, die Sanierungsmaßnahmen in Oberzentren verstärkt fördern will.

Im konkreten Fall heißt das: Bis zu 90 Prozent der Kosten für den Ausbau, die die Stadtverwaltung auf rund 1 Million Euro schätzt, könnten bezuschusst werden. Das würde, so Baudezernent Martin Prümm, sogar mit dem Eckwertebeschluss harmonieren. Der verbietet zwar grundsätzlich größere Bauprojekte, doch stehen angesichts des geringen Eigenanteils für die Stadt die Chancen auf eine Einigung mit der Aufsichtsbehörde sehr gut. Denn die Clemensstraße ist nicht nur aus Sicht der Verwaltung ein Teil des Altstadtrings und damit eine wichtige Achse zum Rheinufer.

Konkret geht es aber nicht nur um die Sanierung der Fahrbahn, die Verbreiterung der Bürgersteige und die Begrünung. Ortsverbandsvorsitzender Stephan Otto nannte auch die Verbesserung der Wohnqualität und den Erhalt der bislang guten Nahversorgung. In seinem Vortrag erinnerte das CDU-Ratsmitglied daran, dass die Pläne zur Neugestaltung des östlichen Abschnitts der Clemensstraße erstmals 1997 diskutiert wurden, angesichts der Entwicklungen rund um den Zentralplatz aber ins Hintertreffen gerieten. In der Tat sah es bis vor wenigen Tagen so aus, als dass sich vor 2017 in diesem Bereich nichts tun würde, doch ermöglicht die neue Bezuschussungssituation, die Planungen bis Ende des Jahres auf den Weg zu bringen. Bislang gebe es, so Frank Hastenteufel, für diesen Bereich erst einen Werkstattbericht. Die weiteren Ausführungen des Leiters des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung zeigten jedoch, dass dieser Bericht in ein ausgereiftes Gesamtkonzept eingebunden ist, das bis zum Friedrich-Ebert-Ring reicht und in weiten Teilen bereits umgesetzt ist. Die Teilnehmer hörten das gern, denn vor allem für die Geschäftsleute in der Altstadt ist die Situation sehr unbefriedigend. So merkte Marc Ferdinand an, dass die Clemensstraße in ihrem heutigen Zustand die Kernbereiche regelrecht von den Kundenströmen abschneide. Der Geschäftsführer der Firma Commes erinnerte daran, dass das sanierte Teilstück am Schängel-Center die eigentlich gewünschte Scharnierfunktion nicht erfüllt. Jetzt hofft auch er auf den „neuen“ zweiten Abschnitt der Clemens- straße, aus dem der Verkehr übrigens nicht verbannt werden soll. Die Planer gehen davon aus, dass sich die Staugefahr deutlich verringert, wenn das Peter-Altmeier-Ufer im Laufe des Sommers wieder durchgängig befahrbar ist und auch andere Baustellen abgeschlossen sind. Voraussetzung für weitere Planungen sind allerdings verlässliche Zahlen. Die letzte Zählung von 2012 ging für die Clemens- straße von 4500 Fahrzeugen täglich aus. Da viele Autofahrer derzeit über diese Straße ausweichen, dürfte die aktuelle Zahl deutlich höher liegen. Das zeigt: Hier muss sich erst alles auf den Normalzustand einpendeln.

Kleine Geschichte der Clemensstraße

Die Clemensstraße war ursprünglich Teil des Stadterweiterungsgebietes, das Ende des 18. Jahrhunderts südlich der Altstadt angelegt worden ist. Benannt ist sie seit dem entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 21. März 1821 nach dem letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der von 1768 bis 1794 in Koblenz und Ehrenbreitstein residierte. Der Landesherr war auch der Initiator der Stadterweiterung, deren Ausgangspunkt der Neubau des Kurfürstlichen Schlosses war. Die Clemensstraße hieß ursprünglich „Schanzstraße“, weil sie an der alten kurtrierischen Stadtumwallung lag, die im Zuge der Erweiterung durchbrochen wurde. Heute gibt es in der Straße nur zwei Gebäude, die erhalten geblieben sind: Der Trierer Hof am Stadttheater und das gegenüber gelegene Lassaux’sche Haus. Der Rest wurde 1944 zerstört. Heute prägen die Straße vor allem nüchterne Zweckbauten.

Reinhard Kallenbach, RZ Koblenz und Region vom Mittwoch, 2. April 2014, Seite 13

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Lange Rückstaus, wildes Parken: Die Uneinsichtigkeit mancher Verkehrsteilnehmer verärgert Anwohner und Kaufleute in der Clemensstraße. Eine Neugestaltung des östlichen Abschnittes könnte Abhilfe schaffen. Doch zunächst müssen andere Baustellen abgeschlossen werden.