Ulrike Mohrs will Bürgermeisterin werden

Chefin der Agentur für Arbeit war zunächst überrascht über die Frage der CDU – So geht es jetzt weiter

Ein Wochenende lang hat sie darüber nachgedacht, ob sie für das Amt als Bürgermeisterin in Koblenz kandidieren möchte, sagt Ulrike Mohrs, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, und lacht. Der Anruf von Mark Scherhag, Vorsitzender der Koblenzer CDU, kam für sie völlig überraschend, berichtet sie im RZ-Gespräch. Denn auch wenn sie schon mit 15 Jahren in die Junge Union eintrat, hatte sie doch nie parteipolitische Ämter inne.

Und auch wenn sie als Bürgermeisterin gewählt würde – was angesichts der Konstellation sehr wahrscheinlich ist, da CDU und SPD signalisiert haben, sie wählen zu wollen – wäre sie keine CDU-Bürgermeisterin, sondern eine für Koblenz. Die tiefe Liebe zu ihrer Heimatstadt, die Möglichkeit, diese mitzugestalten, ist denn auch eines der stärksten Motive, die Mohrs haben „Ja“ sagen lassen, als die CDU auf der Suche nach einer Nachfolgerin für Marie-Theres Hammes-Rosenstein war, die in der vergangenen Woche erklärt hatte, dass sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niederlegen wird.

Mit einigen Bereichen, die zum Ressort der Bürgermeisterin gehören, kennt sich die 53-Jährige, die in Rübenach in einem Großfamilienverband lebt, bestens aus. Denn als Leiterin der Agentur für Arbeit hat sie viel mit den zum Schwerpunkt „Soziales“ gehörenden Aufgaben zu tun. „Bei der Stadt und bei der Agentur für Arbeit erleben wir Menschen in Krisensituationen, die Hilfe brauchen, können Jugendliche darin unterstützen, ihren Weg zu finden, und vieles mehr“, sagt Ulrike Mohrs, die nach einem Dualen Studium in der Agentur für Arbeit viele Arbeitsfelder kennengelernt und so seit 30 Jahren Verwaltungs- und Führungserfahrungen sammeln konnte.

Auch das ist natürlich ein immens großer Teil der Arbeit – und Ulrike Mohrs ist es wichtig, dass man die Mitarbeiter mitnimmt bei allen Veränderungen. „Ich bin niemand, der irgendwo hinkommt und sagt ,Hoppla, da bin ich.' Ich schau erst mal, wie was läuft und warum es so ist.“ Der Blick von außen kann dabei manchmal aber auch ganz erfrischend sein, ist sie überzeugt. Und Doris Litz, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, stellt ihrer Chefin – unabgesprochen – ein sehr gutes Zeugnis aus, obwohl sie es selbst extrem bedauern würde, wenn Mohrs geht: „Sie kann ungeheuer motivieren, und das über Jahre. Und sie kann sehr, sehr zügig wichtige Entscheidungen treffen.“

Das sind sicher zwei Eigenschaften, die man als Bürgermeisterin gut gebrauchen kann. Und der Weg dahin scheint kein schwerer zu werden. Denn der Vorstand der Koblenzer CDU hat sich bei einer Sitzung am Samstag einstimmig für die Kandidatur von Ulrike Mohrs entschieden, berichtet Parteichef Scherhag. „Aber natürlich wäre es wünschenswert, wenn auch die Vertreter der anderen Ratsfraktionen für diese Wahl wären und wir das gemeinschaftlich hinbekommen.“

Die Sozialdemokraten zumindest stehen schon einmal hinter dem CDU-Vorschlag. Detlev Pilger, Vorsitzender der Koblenzer SPD, hatte vor einigen Tagen bereits klargemacht, dass er Ulrike Mohrs für eine gute Bürgermeisterin hält, und bei Gesprächen mit Vorstandskollegen und der Ratsfraktion hat sich nun gezeigt: „Der Vorschlag stößt bei uns allen auf großes Wohlwollen.“ Seine Partei hält die Agenturchefin für eine gute Kandidatin, und deshalb unterstützt die SPD auch den Vorstoß der CDU. Zudem hatten die beiden großen Parteien schon vor Jahren vereinbart, dass die CDU die Kandidaten für Bürgermeister und Baudezernent stellt und die SPD für den Kulturdezernenten – unterstützt und gewählt auch von der jeweils anderen Partei.

Noch offen ist, ob die Stelle nun ausgeschrieben wird oder nicht. „Das ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Pilger. In der Sitzung am 30. August kann der Stadtrat darüber abstimmen, ob er auf eine Ausschreibung verzichtet. Entscheidet sich der Rat gegen die Ausschreibung, könnte gleich in dieser Sitzung gewählt werden. Die/der Neue würde dann im September ins Amt eingeführt. Wird die Stelle ausgeschrieben, könnte die Wahl wohl frühestens in der Novembersitzung auf die Tagesordnung kommen – und Koblenz würde in der Ratssitzung am 14. Dezember eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister bekommen.

Doris Schneider und Stephanie Mersmann, RZ Koblenz und Region vom Dienstag, 26. Juni 2018, Seite 17