Als die Senioren der CDU um mehr Einfluss kämpften

Senioren Union 2018 06Der Streit um die Gründung der Senioren Union und was diese in die CDU eingebracht hat

Roswitha Verhülsdonk, seit den 6oer Jahren in verschiedenen Funktionen und Mandaten in der CDU aktiv, ist zum lebenden Archiv der Partei geworden. Sie hat viel zu erzählen über politische Situationen, Themen und Episoden. Monika Artz, die Vorsitzende der Koblenzer Senioren Union bat die Referentin den Mitgliedern und Gästen zu berichten, was vor 30 Jahren die Vorgängergeneration erkämpft hat. In den 80er Jahren war das Parteileben noch sehr lebendig und vielfältig. Die jungen Mitglieder und die Frauen hatten sich eigene Vereinigungen erstritten und dadurch mehr Beteiligung an Ämtern und Mandaten erreicht. Da beschlossen ältere Mitglieder in Koblenz und anderswo in Rheinland-Pfalz sich zu organisieren um so auf das Parteileben und die Themen Einfluss zu gewinnen. Auch aus Hessen und Baden Württemberg hörte man, dass dort die Älteren aktiv geworden waren. Sie strebten nach der Gründung einer Senioren Union. Helmut Kohl in Rheinland-Pfalz, Alfred Dregger in Hessen und Erwin Teufel in Baden Württemberg waren für die Idee sehr aufgeschlossen. In Nordrhein Westfalen und anderen Landesverbänden waren die Spitzenpolitiker strickt dagegen wenn die Älteren ihr eigenes Süppchen kochen, dann stehen sie der Partei in Wahlkämpfen nicht mehr zur Verfügung.

1987 kam es auf einem Bundesparteitag der CDU nach streitiger Diskussion zur Entscheidung. Als letzte Rednerin trat die Landesvorsitzende aus Hessen ans Mikrophon und berichtete begeistert über die erfolgreiche politische Arbeit der Senioren. Plötzlich brach sie am Rednerpult zusammen, Helmut Kohl unterbrach den Parteitag für 10 Minuten. Dann sprach sich herum, dass die alte Dame tot war. Das bewegte die Gemüter und plötzlich gab es eine große Mehrheit für die Satzungsänderung.

Schnell entstanden überall Kreisverbände, in denen auch zunehmend viele Frauen mitarbeiteten. Es war die Zeit als Norbert Blüm als Sozial- und Arbeitsminister große Rentenreformen durchsetzte und um die Einführung der Pflegeversicherung kämpfte. Da war die Senioren Union eine große Stütze, vor allem auch weil sie sich mit der Jungen Union, der Enkelgeneration, in der Rentenpolitik abstimmte. Bis dahin unbelichtete Themen wurden von den Älteren in die Parteiarbeit eingebracht und mit der Regierung Kohl umgesetzt. So das Thema Altersdiskriminierung von denen die Senioren aus eigener Erfahrung in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft berichteten. Kredite wurden nicht bewilligt, Reiseversicherung für über 70jährige verweigert, und ältere Menschen oft herablassend behandelt. Die Senioren Union erweist sich bis zum heutigen Tag immer mehr als ein Aktivposten der Partei. Das entging den anderen Parteien nicht und bald gab es in der SPD die Organisation 60plus, es gab die Alten Liberalen und sogar die Alten Grünen. Heute ist Politik für ältere Menschen in Folge des demographischen Wandels ein wichtiges Politikfeld geworden.

Senioren Union 2018 06

Foto: Brennig