Das Schicksal von Koblenz im 2. Weltkrieg darf nicht vergessen werden

SU-Fort-Konstantin-06-2016CDU Senioren Union besichtigt Dauerausstellung im Fort Konstantin

Die Idee, dass die ältere Generation dafür sorgen müsse, dass das Schicksal der Stadt Koblenz im 3. Reich und im Bombenkrieg des 2. Weltkrieges nicht unaufgearbeitet bleiben kann, hatte Monika Artz als Vorsitzende der Senioren Union und des Seniorenbeirates der Stadt Koblenz in die Arbeit der Gremien schon vor Jahren eingebracht. Sie stieß damit auf viel Zustimmung, denn die Senioren berichteten wie die abendlichen Fernsehsendungen aus Kriegsgebieten mit ihren Zerstörungen immer wieder die Bilder aus der Jugendzeit im Krieg hochkommen lassen. Die Älteren müssten das Erlebte weitergeben, damit die Jüngeren erfahren, was der Nationalsozialismus in der Welt und im eigenen Land angerichtet hat. Es wurde die Idee einer Dauerausstellung entwickelt, die mit noch lebenden Zeitzeugen und Beteiligung der Bürger und der noch vorhandenen Dokumenten und Fotos entwickelt werden sollte. Auch ein Ort wurde vorgeschlagen für die Präsentation: der Bunker in der Nagelsgasse nahe am Generationengarten Herlet. Monika Artz hat die Idee an den Stadtrat herangetragen, fand aber lange kein Interesse, bis das CDU Stadtratsmitglied Jörg Assenmacher den Vorschlag aufgriff und in den Kulturausschuss der Stadt einbrachte. Es dauerte dann noch lange, bis das Stadtarchiv mit einer Gruppe von Zeitzeugen und Historikern die hochinteressante Ausstellung präsentieren konnte: Seit vorigem Jahr hängt sie in den Räumen des Fort Konstantin auf der Karthause, das zur Feste Alexander gehörte (erhalten ist das Löwentor) das früher Teil der Großfestung Koblenz war. Es ist ein sehr guter Ort voller stadtgeschichtlicher Erinnerungen.

Monika Artz hatte nicht nur die Senioren Union sondern auch öffentlich über die Rhein-Zeitung zu einer Führung eingeladen. So hatten sich an einem regnerischen Dienstag 30 Personen eingefunden, die von dem ehemaligen Leiter des Stadtarchivs Herrn Moret und Frau Dr. Reis begrüßt wurden. Beide übernahmen jeweils eine Gruppe und führten sie durch die Festungsräume.

Zuvor berichtete Herr Moret, dass Koblenz eine Hochburg des Nationalsozialismus gewesen sei. Gauleiter Simon, ein gefürchteter Mann, habe aber rechtzeitig vor den regelmäßigen schweren Angriffen der Alliierten auf die verkehrsstrategisch wichtige Stadt Koblenz für die Evakuierung der Bevölkerung und der Schulen nach Mitteldeutschland gesorgt. Trotzdem gab es in der Stadt viele Tote, vor allem durch den verheerenden Angriff am 6. November 1944, bei dem die Innenstadt zu 87% zerstört wurde. 122 britische Lancaster-Bomber und viele kleine Flugzeuge luden ihre Bomben über Koblenz ab. Einige Zahlen dazu: 116 Luftminen à 1800 kg, 4 Luftminen à 3600kg, dazu 23 Sprengbomben und 153.392 Stabbrandbomben und 456 Flüssigbrandbomben. Koblenz wurde in ein Flammenmeer verwandelt, es war kein Dach mehr auf den Häusern.

Am Beginn der Ausstellung wird eine dieser riesigen Luftminen gezeigt: 2,10 Meter lang und mit einen Durchmesser von 76 Zentimetern. Sie wurde 1999 in Metternich gefunden und nach der Evakuierung von 15.000 Menschen in 20 Minuten des Hoffens und Bangens entschärft. Die umfangreichste Evakuierung war 2011, als die Bombe von 1800kg in Pfaffendorf entschärft wurde.

Man hat auf Fotos verzichtet zu Gunsten eines Stummfilms: Koblenz in Trümmern 1946. Er ist von den Amerikanern aufbereitet und zeigt Bilder der Ruinen der Innenstadt, der Kirchen, des Schlosses und markanter Gebäude die heute wieder erstanden sind. In Schaukästen liegen im Fort Konstantin gefundene Munition wie Panzerfaust und Stabbrandbombe. Gezeigt ist auch eine Lebensmittelkarte und die karge Ration in echt ausgestellt: 238g Mehl, 45g Fleisch, 32g Zucker, 22g Butter und Margarine, 8g Nährmittel, 7g Teigwaren, 5g Kaffeeersatz, 4g Käse. Damit musste der Normalverbraucher im November 1944 auskommen.

Hochinteressant ist auch ein authentisches Hördokument. Nach dem die Amerikaner die Remagener Brücke erobert und einen rechtsrheinischen Brückenkopf gebildet hatten, setzten sie einen „Deutschen Soldatensender“ ein, der täuschend ähnlich der echten Sender über das Kriegsgeschehen informierte und geschickt auf die Kampfmoral der deutschen Truppe einwirkte.

Die Besucher der Ausstellung gerieten in lebhafte Diskussionen. Sie zeigen, wie notwendig es ist, Generationen übergreifend diesen Teil unserer Geschichte aufzuarbeiten.
ERINNERN GEDENKEN MAHNEN

Foto: Rüdiger Brenning