Flöck geht ins Rennen um die Koblenzer Stadtspitze

Baudezernent will Oberbürgermeister werden –
58-Jähriger tritt als unabhängiger Bewerber an


bert floeckDer Name war schon länger Teil der Gerüchteküche, jetzt ist klar: Bert Flöck will ins Rennen um das Amt des Koblenzer Oberbürgermeisters eintreten. Der amtierende Baudezernent war bereits als möglicher Kandidat der CDU ins Spiel gebracht worden, hatte sich dazu bislang aber noch nicht äußern wollen. Und der 58-Jährige wird jetzt auch nicht als CDU-Bewerber antreten, sondern als unabhängiger Kandidat, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung ankündigt – wenn auch in Absprache mit seiner Partei. Am Donnerstag hatte es dazu eine Abstimmung mit dem Kreisvorstand der Partei gegeben. Eine endgültige Beschlussfassung, ob die unabhängige Kandidatur von der CDU unterstützt wird, soll es dann aber erst bei einer Mitgliederversammlung am 30. November geben – eine bereits in der Vergangenheit gepflegte Praxis der Koblenzer Union bei wichtigen Personalentscheidungen. Der Koblenzer Parteichef Andreas Biebricher rechnet aber auch dort mit einem „großen Zuspruch für Bert Flöck“. Gespräche will der amtierende Baudezernent auch über die Parteigrenzen hinaus führen, etwa mit der FDP sprechen, ob diese seine Kandidatur unterstützen wird.

Flöck ist damit der Erste, der offiziell gegen David Langner (SPD) antritt, der bereits vor Wochen seine Kandidatur angekündigt hatte. Der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Sozialministerium wird ebenfalls als unabhängiger Bewerber antreten – also ohne von der SPD offiziell aufgestellt worden zu sein. Daher wird er, wie Flöck auch, Unterstützerunterschriften für die Anmeldung seiner Bewerbung sammeln müssen. Die Amtszeit von Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD) endet im April 2018. Die Wahlen werden voraussichtlich im Herbst 2017 angesetzt, vermutlich in einem gemeinsamen Termin mit der Bundestagswahl.

„Ich möchte der Oberbürgermeister aller Koblenzerinnen und Koblenzer werden“, äußert sich Flöck in einer mit CDU-Chef Biebricher verfassten Pressemitteilung. „Zum Wohle unserer schönen Heimatstadt möchte ich möglichst viele Parteien, Gruppierungen und Strömungen, also Menschen, denen Koblenz am Herzen liegt, zusammenführen.“ In seinem beruflichen Leben habe er Koblenz gedient. Jetzt sei es sein „größter Wunsch, dies in diesem höchsten Amt unter Einbringung all meiner Erfahrung und all meiner Energie noch besser tun zu können“.

Die einmütige Unterstützung dafür hat ihm der Kreisvorstand der Koblenzer CDU zugesichert, wie Biebricher betont: „Bert Flöck ist Christdemokrat, hatte aber nie ein herausgehobenes Amt in der Partei inne. Daher ist er prädestiniert dafür, bei einer Wahl, bei der es weniger auf eine Parteizugehörigkeit, sondern vielmehr auf eine starke, kompetente Persönlichkeit ankommt, auch andere Parteien oder Gruppierungen anzusprechen und einzuladen.“ Biebricher beschreibt Flöck als pragmatischen Fachmann, für den das Wohl unserer Stadt immer an erster Stelle stehe. „Wer ihn kennt, weiß, dass er führungsstark ist, aber auch sehr gut moderieren kann. Immer orientiert an der Sache, versucht er zusammenzuführen und nicht zu spalten.“

Bert Flöck umreißt gleich einige Herausforderungen, vor denen er die Stadt sieht: „Wir müssen unsere Verkehrsinfrastruktur, also Straßen und Brücken, aber auch unsere Kindertagesstätten und Schulen erhalten und modernisieren.“ Ferner werde es um bezahlbaren Wohnraum und weitere ökologisch vertretbare Entwicklungsmöglichkeiten für die Wirtschaft gehen. Um eine gepflegte, touristisch attraktive Stadt, in der die Stadtteile nicht vernachlässigt werden. Das alles gelte es umzusetzen, ohne die Haushaltskonsolidierung zu gefährden oder die Bürger zusätzlich zu belasten. Das gehe aber nur, wenn man Einzelinteressen zurückstelle und sich letztlich für das große Ganze einsetze. Flöck: „Und dafür möchte ich werben.“ bur/is

Bert Flöcks Karriere in der Stadtverwaltung

Der heute 58-jährige Bert Flöck kam schon mit 16 Jahren in die Verwaltung, sein erster Karrieresprung folgte mit 31: In dem Alter stieg Flöck zum Leiter des Kulturamts auf. 1997 wurde er zum Werkleiter der damals neu gegründeten Koblenz-Touristik gewählt, 2011 schließlich wurde er Chef des Haupt- und Personalamts. Im April 2016 wurde er erwartungsgemäß vor allem mit den Stimmen von CDU und SPD im Stadtrat zum neuen Baudezernenten der Stadt Koblenz gewählt – dies folgte einer Absprache der beiden Parteien zur Verteilung der Dezernatsposten. Am 1. September 2016 trat er sein neues Amt an.
Privat lebt Flöck mit seiner Frau und seinen zwei jüngeren Kindern auf der Pfaffendorfer Höhe, zwei erwachsene Kinder studieren bereits. sem/tim

RZ Koblenz und Region vom Samstag, 5. November 2016, Seite 11