Bildungschancen jetzt!

In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der bildungspolitische Arbeitskreis der Koblenzer CDU mit bildungspolitischen Aussagen des Koalitionsvertrags. Die Mitglieder waren übereinstimmig der Meinung, dass immer neue Herausforderungen auf unser Schulsystem zukämen. Wenn Schule aber wirklich bilden soll, so der AK, dann muss sie jedem einzelnen Schüler nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch das friedliche und respektvolle Miteinander in jeder Lerngruppe fördern. In Lerngruppen, in denen das Lerntempo von allen fast gleich ist, ist dies einfacher als in Lerngruppen, in denen Schnelllerner mit Langsamlernen auskommen müssen. Sehr heterogene Gruppen sind die Folge. Nur wenn es dem Lehrer gelingt, auf das Lerntempo beider Gruppen einzugehen, wir auch soziales Lernen erfolgreich stattfinden.

 

In den Schulen, in denen dieser pädagogische Spagat immer seltener gelingt, wird der Ruf nach Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen laut. Es ist der Ruf nach mehr Beratungsstellen für Schulkrisen junger Menschen, die diese als Lebenskrisen erfahren. Nun hat jeder junge Mensch ein individuelles Menschenrecht auf Bildung und nur einmal im Leben die Chance mit Hilfe der Schule diese Chance zu nutzen. Darum gilt es gerade jetzt in einem immer weniger auf einzelne Lernbedürfnisse abgestimmten Bildungssystem und einer damit steigenden Erhöhung sozialer Konflikte und individueller Krisen, die Zahl der Sozialarbeiter und Schulpsychologen drastisch zu erhöhen, damit die Schule den Auftrag des Gesetzgebers erfüllen kann. „Uns ist es besonders wichtig, dass Kinder aus ortsansässigen Familien nicht in Konkurrenz zu Kindern aus Flüchtlingsfamilien kommen.“, so ein Mitglied des Arbeitskreis. Doch, was sagt hierzu der Koalitionsvertrag der rot-gelb-grünen Landesregierung?

Einer der zentralen Punkte sei die Schulpsychologie. Schulpsychologen unterstützen Schüler, Lehrer und Eltern in Krisensituationen. Lehrer im Arbeitskreis berichten, dass traumatisierte Flüchtlingskinder eine weitaus intensivere Unterstützung benötigen, als sie faktisch geboten werden kann. Diese Kinder stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die traumatisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat und auf der Flucht, das Einfinden in einer neuen Kultur, das Erlernen einer neuen Sprache und die Hoffnung auf Wahrung ihrer Identität durch Unterricht in der Herkunftssprache. Die Kinder haben ein Recht auf Bildung. Die Landesregierung möchte „diese Unterstützungsangebote bedarfsgerecht ausbauen“. Das ist den christdemokratischen Bildungspolitikern zu vage. Sie fordern klare Kennzahlen und einen schnellen Ausbau des Schulpsychologischen Dienstes durch die Einstellung von mehr Personal.

Sorge macht dem Arbeitskreis die immer noch zu geringe Zahl von Schulsozialarbeitern in den Schulen. In der Vergangenheit hatte sich die rot-grüne Regierung geweigert, zum Beispiel Schulsozialarbeiter an Gymnasien zu finanzieren. In Koblenz etwa wurde diese Finanzierung erst durch das Bundesteilhabepaket initiiert und wird aktuell von der Stadt getragen. Der CDU-Arbeitskreis Bildung fordert eine flächendeckende Versorgung aller weiterführenden Schulen mit Schulsozialarbeitern. „Bildungschancen sind jetzt zu gewährleisten! Das Gezerre zwischen Bund und Ländern über die Finanzierung der Schulsozialarbeit ist Eltern und Kindern nicht vermittelbar. Sie wollen ihre Bildungschancen jetzt gefördert wissen. Das Regierungsprogramm schiebt aber wieder nur auf den Bund ab und fordert, dass dieser die Schulsozialarbeit finanziert. Der Ansatz sich im Bundesrat für die Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern einzusetzen, mag vielleicht eine Lösung sein. Doch halten die Mitglieder des Arbeitskreises dies für einen viel zu langen Weg. Wir brauchen jetzt die Fachkräfte vor Ort, da jetzt auch die Schüler dort sind. Ein langes Warten hilft nicht. Wir wollen, dass Schulsozialarbeit präventiv arbeitet.“, so die Sprecherin Julia Kübler.