Andreas Biebricher soll den Platz von Michael Hörter im Mainzer Landtag einnehmen
Juni 2010. Kein guter Monat für Koblenzer Landtagsabgeordnete. Nach Heribert Heinrich (SPD) in der vorletzten Woche wurde jetzt auch der langjährige CDU-Mandatsträger Michael Hörter von der eigenen Partei aufs politische Altenteil geschickt. Im linksrheinischen Koblenzer Wahlkreis 9 soll nach dem Willen der Mitglieder im kommenden Jahr Andreas Biebricher seinen Platz im Mainzer Landtagsteam der CDU einnehmen.
KOBLENZ. Das sportliche Ambiente schien bewusst gewählt. Im Gegensatz zur SPD-Veranstaltung, wo die Gräben innerhalb der Delegierten – bei allen Versuchen den Ball flach zu halten – deutlich zutage traten, gab es bei der CDU – bei aller Rivalität – ein faires und harmonisches Miteinander. 80 von 81 stimmberechtigten Mitgliedern der betroffenen Ortsvereine hatten den Weg in die Kesselheimer Turnhalle gefunden. Denkbar knapp das Ergebnis: 41 zu 39 Stimmen für Biebricher. B-Kandidatin wurde Ratsmitglied und stellvertretende Kreisvorsitzende Julia Kübler, die sich mit 46 zu 31 Stimmen gegenüber der CDU-Fraktionsvorsitzenden Anne Schumann-Dreyer durchsetzen konnte.
„Natürlich bin ich enttäuscht“, kommentierte Hörter gegenüber der RZ das Ergebnis. Aber es gehöre nun mal zum Leben dazu, dass man auch einmal verliert: „Wer jedoch wie ich das Glück hat, von der Politik nicht abhängig zu sein, für den ist das keine Katastrophe.“ Gewonnen habe letztlich auch er, „nämlich mehr Freizeit“. Biebricher, der sich im Vorfeld der Wahl trotz aller „Schwierigkeiten gegen einen amtierenden Kandidaten anzutreten“ gute Chancen ausgerechnet hatte, zeigte sich erleichtert. Der Umgang mit dem Rivalen Michael Hörter sei „sauber und fair“ verlaufen. Biebricher: „Bei uns gibt es keine Gräben, wir können uns alle in die Augen sehen.“ Erwartungsvoll blickt der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende in der Stadt Koblenz und Vize-Vorsitzende der Fraktion im Koblenzer Stadtrat nach vorn: „Schon Morgen beginnt der Wahlkampf.“
„Bei Sonnenschein“ hatte der CDU-Kreisvorsitzende Leo Biewer, der die Versammlung souverän leitete, die Mitglieder begrüßt und auf einen friedvollen Verlauf eingestimmt. Während der persönlichen Vorstellung der Kandidaten gab es keinerlei Attacken auf den innerparteilichen Mitbewerber. Beide sahen in den „maroden Landesfinanzen“ , der „katastrophalen Finanzlage der Städte“ und der „verfehlten Bildungspolitik“ die größten politischen Defizite im Land. Und beide zeigten sich vereint im Ziel, die SPD-Landesregierung bei den Wahlen am 27. März kommenden Jahres abzulösen. Das gemeinsame Motto: „Beck muss weg.“
Nicht gänzlich unerwarteter aber eben auch nicht unbedingt erwarteter Ausgang der Vorrundenauswahl innerhalb der beiden großen Koblenzer Parteien: Zwei Neulinge treten bei der Landtagswahl in Koblenz gegeneinander an: Andreas Biebricher gegen die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Marion Lipinski-Naumann. Mindestens eine Gemeinsamkeit zwischen ihnen gibt es: Beide haben Heimvorteil im Stadtteil Rübenach. Der Ausgang des Duells – eine weitere Parallele zum Fußball – ist derzeit noch völlig ungewiss.
Edgar Konrath, RZ Koblenz und Region vom Montag, 28. Juni 2010, Seite 11


